HELDEN DER STADT
©marc hellmuth
gegenueber wohnt ne frau, allein mit ihrem kind
und sie haengt die waesche auf, als kuehlschrank dient der fenstersims
sie traeumt so oft – wenn man sie sieht
sieht sie auf die strasse raus
sie sucht den maerchenprinz und blickt dem alltag hinterher
fremde menschen hasten durch den abendverkehr
und sie hofft bei rot haelt jemand und nimmt sie mit
denn sie glaubt an die liebe, die ewig haelt
unter den daechern dieser stadt
wohnen kraefte unbekannt
in ihren zimmern unerkannt
die helden dieser stadt
und ne freundin nebenan sieht ihre welt
durch die kamera und knippst wie wild
haelt augenblicke fest
...
vergessene aepfel auf der bank oder das alte telefon
ein zweig in der pfuetze fotografiert von oben
es sind die kleinen momente die sie erkennt
und die sie dann an freunde verschenkt
ein moment der ruhe – stillstand der zeit
oh wie oft hab ich schon unter ihren bilder verweilt
unter den daechern dieser stadt
wohnen kraefte unbekannt
in ihren zimmern unerkannt
die helden dieser stadt
ganz im klein’ liegt es versteckt
das leben und die freude
das man auf der strasse trifft
hinter den fenstern und fassaden
und sicher auch in strassenbahnen
beim haendler um die ecke
oder auf dem fruehstueckstisch
beim oeffnen aller tueren
wenn man frei ins leben tritt
unter den daechern dieser stadt