SO WIE VOR VIELEN VIELEN JAHREN
©Marc Hellmuth

Stellt euch vor, nachts eine Gasse
und ein alter Mann geht langsam entlang
schwarzgrau die Lichter in den Pfützen
nur seine Zigarette glüht wie ein Vulkan

Drei Frauen suchen eilig den Mann
denn er ist entflohen aus dem Altersheim
jetzt rennt er aufgeregt - seinen Schirm unter'm Arm
springt er über Steine - wie in ganz jungen Jahren

Er entschließt erneut zu leben
"DAS FRÜHER" nocheinmal genießen
Ein Lokal gleich bei uns um dei Ecke
hat es ihm angetan

Karges Licht durchdringt den Qualm
träumend sieht er seine Freunde wieder
Sie reden zusammen, bei Schnaps und Zigarren
über Gott und Frauen - wie in ganz jungen Jahren

Sie sprechen sich so richtig aus
und reden sich das Herz noch frei
spiel'n noch 'ne Runde Skat
dann ist schon alles vorbei

Da beschließt er nocheinmal
eine Frau zu lieben
auf geht's ins nächste Rotlichtnachtlokal
nackte Frauen überall

Diese Düfte und Gefühle,
die Hose ist schnell aufgemacht,
so unvergesslich und erschöpfend,
jetzt ist es schon halb vor Mitternacht

"In den 30 Minuten
möchte ich noch was schaffen - etwas bewegen"
also raus auf die Straße
wie in ganz jungen Jahren

Entschlossen und mutig - so zieht er in
die dunkelsten Ecken dieser Stadt
da sieht er sie schon - saufend und grölend
dieses dreckige Pack


Da schreien sie
die Parolen so sinnlos und doof
wie "Deutschland den Deutschen"
oder "Adolf war groß"

Der alte Mann couragiert bis zum Kragen
fängt an zu erzählen
von den wirklichen Tagen - im Krieg
so wie vor vielen, vielen.... Jahren

Er erzählt vom Bruder -
gefallen im Krieg, von Mutter und Vater
warteten bis zum Tot beim Bombenangriff
auf den großen Sieg


Mit der Hoffnung etwas bewegt zu haben
kehrt er zurück ins Altersheim
noch in der selben Nacht und sichtlich zufrieden
schläft er ein

Da stirbt er nun, der alte Mann
hat seine Träume nocheinmal zum Leben gemacht
Mensch wir können doch alle so sein
müssen wir erst warten auf den letzten Tag ?